Eine der vielen Initiativen der Aktionstage 2011 ist die Diskussionsreihe zum Thema „Verantwortung für unser Land“, die an drei Abenden jeweils verschiedene Aspekte (Umwelt/Wirtschaft/Medien) der Verantwortung und Mitgestaltung unseres Landes beleuchten.
Der erste Abend hat letzte Woche in der Cusanus-Akademie in Brixen stattgefunden. Mit einer ungewöhnlichen Methode, nämlich dem „Fish-Bowl“ trafen verschiedene Expertinnen und Experten aufeinander und erörterten das Thema in einer ersten Runde.
Der Direktor De Pace Fidei an der Phil.-Theologischen Hochschule Brixen, Don Paolo Renner unterstrich die Verantwortung des Menschen, der eine präzise Verpflichtung gegenüber der Umwelt habe. Peter Ortner, Vorsitzender des Heimatpflegeverbandes, äußerte seine Besorgnis darüber, dass durch die intensive Nutzung der Natur durch die Bevölkerung wie durch die vielen Gäste zu wenig Rücksicht auf die Natur genommen werde. „Seit den 90-er Jahren ist die Verbauung des landwirtschaftlichen Grüns kein Tabu mehr. Im Gegenteil, das landwirtschaftliche Grün ist die größte Baustelle des Landes geworden!“, so Peter Ortner.
Auf den Vorwurf, dass der größte Druck vom Tourismus ausgehe, konterte der stellvertretende Vorsitzende des HGV, Thomas Walch mit der Aussage, es gelte die Natur zu erhalten, weil die Gäste gerade diese in Südtirol suchten. Allerdings wolle der Gast auch eine schnelle und bequeme Anreise und, so Walch, „wenn die Touristen 100 km Pisten wollen und wir sie nicht bieten können, dann suchen sie sie eben woanders.“
Markus Breitenberger vom AVS unterstrich die Aufgabe seines Vereins, den Menschen die Natur zugänglich zu machen – allerdings „zu Fuß!“, so Breitenberger. „Wir sind gegen Neuerschließungen und neue Großprojekte. Die Alpen sind an der Grenze der Belastbarkeit.“
Eine wiederum völlig andere Sichtweise kam vom Architekt Hugo Demetz, der die Abhängigkeit der Umwelt von der Wirtschaft in den Mittelpunkt stellte. „Wo nicht, wie in Südtirol, die Entscheidung der freien wirtschaftlichen Entwicklung getroffen wurde, kam es zu Abwanderung und Verarmung“, so Demetz. Er verwies auch auf neue Trends wie etwa den 4-Sterne-Urlaub auf dem Bauernhof.
Die ehemalige Landesbäuerin Maria Kuenzer ließ die Entwicklung von der Selbstversorgung zum „Turbobauern“ Revue passieren und kam zum Schluss, dass die Bauern, auch durch die Umweltverbände, in ihrem Umweltauftrag sehr in die Defensive gedrängt worden seien.
Der Methode des Fishbowl gemäß wurde der Expertenkreis nach einer ersten Runde für das Publikum geöffnet und so kamen neue, kontroverse Elemente in die Diskussion: Das Wachstumsdiktat wurde ebenso angeprangert wie der Massentourismus mit 28 Millionen Nächtigungen pro Jahr und so stand das Spannungsfeld zwischen Natur und Tourismus im Mittelpunkt des Abends. Dabei gab es letztlich keine Einigung: Während Thomas Walch vom HGV unterstrich, dass die Bettenzahl im Lande immer zurück gehe und man folglich in der Entwicklung nicht stehen bleiben dürfe, schlug Don Renner vor, dass man von der Maxime „Der Gast ist König“ abgehe und zum Konzept der „Verfassungsdemokratie“ übergehe: Regeln und Grenzen seien notwendig, wenn die Umwelt und die Schöpfung erhalten bleiben sollen. Ein Ansatz, der von Peter Ortner geteilt wurde. Sein Schlusssatz war deshalb auch: „Jeder hat die Verantwortung für seinen Heimatort“.
Die Diskussion wurde von Matthias Oberbacher moderiert und war eine Kooperation der Projektgruppe Aktionstage Politische Bildung mit den Bildungshäusern Kloster Neustift und Cusanus-Akademie.
Die nächste Veranstaltung der Reihe dreht sich um „Verantwortung und Wirtschaft“. Im Nikolaussaal in Meran werden der Banker Josef Prader, der Unternehmensberater Günther Reifer, die Geschäftsführerin der OEW Silvia Pitscheider, der Vizepräsident des LVH Martin Haller, Sepp Stricker, sowie die SchülerInnen Franziska Fauster (Vorsitzende Landesbeirat der SchülerInnen), Selvin Severi, (Gewerbeoberschule Meran) in den Fishbowl steigen und darüber diskutieren, wer „die Wirtschaft“ ist und wer dafür denn die Verantwortung zu tragen habe.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit KVW Bildung und KVW live und findet am Donnerstag, 28.04.11 im Nikolausaal, Passeiergassse 3, Meran, um 20.00 Uhr statt.